Mittlerweile haben es sicher auch die letzten Kritiker eingesehen: Altblech ist auf dem Vormarsch! Die Zahl der Tuningenthusiasten, die für ihre Projekte auf alte und älteste Fahrzeuge zurückgreifen, steigt weiterhin von Saison zu Saison an. In der Kategorie „alte Audis in der Tuningszene“ hat der erste Audi 100 die Nase vorn.

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Vielleicht könnte dieser Audi 100 sogar einige Fans von Serienoldtimern bekehren.

Erhaben steht er da. Eigentlich könnte man aufgrund der satten Tieferlegung auch fast von „Liegen“ sprechen. Ein gut erhaltener Klassiker, um den sich auch Oldtimerfans ohne Tuning-Affinität reißen würden. Wäre der Wagen nur nicht so verdammt tief.
Auf der XS-CarNight geht die nicht vorhandene Bodenfreiheit allerdings absolut in Ordnung. Hier schreit deswegen niemand „Skandal!“. Mit seinem Tiefgang und seinen BBS RS war dieser Audi 100 C1 einer der Oldschool-Stars beim Megaevent im Berliner Olympiastadion und viel fotografiertes Objekt der Begierde. Dabei kennen wahrscheinlich die wenigsten Szenegänger die interessante Geschichte des ersten Audi 100.

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Zu Zeiten der Auto Union GmbH…

Mitte der 1960er Jahre kaufte Volkswagen die schwächelnde „Auto Union GmbH“ (später dann „Audi NSU Auto Union GmbH“). Die aufgrund der mangelnden Nachfrage freien Kapazitäten wurden für die Produktion des VW Käfers genutzt, der dann in Ingolstadt vom Band ging.

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Der Plan des damaligen VW-Bosses Nordhoff sah vor, dass bei der Auto Union keine neuen Modelle mehr entwickelt werden sollten. Der Ladenhüter „DKW F102“ wurde überarbeitet und zum „Audi F103“ mit Viertaktmotor. Dies bedeutete zwar den Neustart der Auto-Union-Marke „Audi“, aufgrund von Nordhoffs Plänen war sonst allerdings nicht mehr viel zu erwarten.

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Der Mann hinter dem Audi 100

Der „Auto Union“-Techniker Ludwig Kraus erkannte jedoch die Zeichen der Zeit, zweifelte an der Zukunft des Käfers und schritt eigenmächtig zur Tat. Die Ansage des VW-Chefs ignorierend, begann er damit, ein neues Audi-Modell zu entwickeln. Dies tat er größtenteils nach Feierabend und ohne Wissen des Mutterkonzerns. VW-Boss Nordhoff bekam erst das fertige Fahrzeug präsentiert und stimmte der Serienfertigung des neuen „Audi 100“ schließlich zu.

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Von 1968 bis 1976 gingen insgesamt rund 880 000 Fahrzeuge vom Band. Und dass die Marke Audi letztendlich doch nicht verschwand, muss man ja wahrscheinlich nicht extra erwähnen…

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Ohne die Courage eines Mannes wäre uns dieser Anblick für immer verwehrt geblieben.

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