Du bist genervt vom Knattern deines Diesel-Motors? Dann solltest du dir die neueste Technologie aus der Automobilindustrie einmal im Detail anschauen. Denn mit einem Active Sound-System zum Nachrüsten kannst du – egal ob Selbstzünder oder leiser Benziner – deinem Auto satten Sound einheimsen. Was sich genau dahinter verbirgt, erfährst du im Artikel.

Individueller Auspuff-Sound für Jedermann

Der Motoren- und Auspuffsound ist ein großes Thema – vor allen Dingen in der Tuning-Szene spielt er eine immense Rolle. Doch in Anbetracht der hohen Unterhaltskosten möchte nicht jeder Tuner zum leistungsstarken V6-, V8- oder V10-Modell greifen, zumal großvolumige Antriebskonzepte nicht nur in der Anschaffung und im Unterhalt teuer, sondern im Portfolio der zahlreichen Automobilhersteller auch immer seltener aufzufinden sind. Verzichten muss man auf den Sound eines V6- oder V8-Motors trotzdem nicht, längst haben Automobilhersteller und Automobilzulieferer eine Technologie entwickelt, die auch gemäßigten Antriebskonzepten – daher kleinen Diesel- aber auch Benzinmotoren (Stichwort Downsizing) – satten V8-Sound einheimst. Die Kosten eines solchen Active Sound-Systems variieren zwischen 900,- bis zu 1.800,- Euro – je nach Lieferumfang, Konfigurationsmöglichkeiten, Kompatibilität mit dem Fahrzeugtyp oder Steuerung.

Quelle: http://www.active-sound.de/

V8-Sound gefällig? Active Sound-Technologie macht’s möglich!

Die Rede ist von der so genannten Active Sound-Technologie. Ein solches System erzeugt das Motor- bzw. Auspuffgeräusch künstlich, es fungiert insofern als eine Art Lautsprecher. Ursprung des Systems ist das Unternehmen Eberspächer, ein Zulieferer im Automotive-Segment aus Esslingen am Neckar, der den Lautsprecher vor etlicher Zeit als Alternative zum konventionellen Schalldämpfer entwickelte. Ziel dieses Lautsprechers war es, den herkömmlichen Auspuffklang mittels Gegengeräusch auszulöschen. Nunmehr wird das Active Sound-System nicht mehr zur Gegenerzeugung und Dämpfung, sondern zur Haupterzeugung eines Abgasgeräuschs genutzt – beispielsweise in Audi- (Audi A6) und VW-Fahrzeugen (VW Golf GTD). Ist dein Auto nicht serienmäßig mit einem solchen System ausgestattet, kannst du ein Active Sound-System auch nachrüsten. Am Markt tummeln sich einige Anbieter, die spezielle Nachrüst-Sets für dein Fahrzeug-Modell anbieten können.

Wie funktioniert das Ganze?

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Ein klassisches Active Sound-System setzt sich aus dem Aktuator, Steuergeräten sowie Zubehör- und Montagematerial zusammen. Hier auf dem Bild zu sehen ist der Einbau des Systems in der Kofferraummulde.

Im Prinzip ist ein solches Active Sound-System vergleichbar mit einem herkömmlichen Lautsprecher, der im Falle des Active Sound-Systems als so genannter Aktuator (auch Aktor, Sound Booster oder einfach nur Geräuscherzeuger) bezeichnet wird. Ein solcher Aktuator wird unabhängig vom Abgasstrang bzw. unabhängig von der Auspuffanlage unterhalb des Fahrzeugs oder direkt an der Auspuffanlage eingebaut. Nebst Aktuator gehören einige Steuergeräte, Kabel und Halterungen zum Active Sound-System dazu. Die Steuergeräte sind für die Klangerzeugung essenziell – ohne funktioniert gar nichts. Denn: Der Aktuator benötigt entsprechende Kenn- und Sensordaten des Fahrzeugs, um den Sound je nach Fahrsituation modulieren zu können. Hier kommen die Steuergeräte ins Spiel, die wahlweise durch Steckverbindungen in den Datenbus des Fahrzeugs integriert oder direkt eingelötet werden und sich von hier aus entsprechende Drehzahl-Signale beschaffen. Auf Basis dieser Drehzahl-Signale der CAN BUS-Leitungen kann der Aktuator einen perfekt auf die jeweilige Fahrsituation abgestimmten Auspuffsound generieren. Wichtig auch: Modifikationen am Motorsteuergerät – etwa wie beim klassischen Chiptuning – werden nicht vorgenommen, da das System lediglich die spezifischen CAN BUS-Daten liest. Je nach Anbieter und Hersteller wird der Aktuator – das ist das schneckenförmige Teil aus Edelstahl – direkt an der Abgasanlage verschweißt oder aber mittels Halterung an einem beliebigen Ort unterhalb des Fahrzeugs montiert. Manche Anbieter – zum Beispiel der hessische BMW-Tuner insidePerformance – verbauen den Schallkörper bzw. Aktuator auch im Kofferraum des Fahrzeugs, um Modifikationen an der Auspuffanlage zu vermeiden und die Montage besonders einfach zu machen. Der Sound wird einfach durch ein abgedichtetes Loch im Kofferraum oder in der Reserveradmulde nach außen geleitet, denn akustisch ist aufgrund der tiefen Frequenzen nicht auszumachen, ob der Aktuator nun direkt an der Auspuffanlage oder an einem anderen Ort sitzt. Flansch, Kabel und sonstiges Zubehör liefert der Tuner im Übrigen mit. TÜV- bzw. Zulassungstechnisch ist die Montage im Innenraum die derzeit unproblematischste Lösung, da der im Kofferraum platzierte Lautsprecher einem Subwoofer oder einem Verstärker ähnelt, für die auch keine besondere Abnahme notwendig ist. Anders verhält es sich bei einer Montage direkt am Abgasstrang oder an einem anderen Ort unter dem Fahrzeug – hier wäre eine Einzelabnahme bei einer Prüforganisation in jedem Fall notwendig und empfehlenswert. Weitere Infos zur Montagelösung eines Active Sound-Systems:

Auspuffsound per Lenkradtasten oder Smartphone-App konfigurieren?

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Großer Vorteil des Active Sound-Systems gegenüber herkömmlichen Sportauspuffanlagen und Schalldämpfern: Der Sound lässt sich beliebig konfigurieren – je nach verbautem System sind Einstellungen hinsichtlich Lautstärke, Klangbild oder Klangfrequenz möglich. Manche Systeme bieten sogar eine so genannte Motorstart-Begleitung bzw. einen Launch-Sound, so dass der Sound kurz nach Motorstart aufheult. Die Einstellungen können wahlweise mittels Fernbedienung, Lenkradtasten oder App-Steuerung vorgenommen werden. Achtung ist auch bei der App geboten: Während einige Active Sound-Systeme WiFi-fähig sind, sind andere Active Sound-Systeme Bluetooth-fähig. Letztere Variante bietet zwar keine hohe Reichweite (die auch nicht notwendig ist), dafür jedoch einen deutlich geringen Energieverbrauch und die Möglichkeit, sofort nach dem Starten der App mit dem Active Sound-System verbunden zu sein – ganz ohne Netzwerk- bzw. Wifi-Einrichtung oder Passwort-Eingabe. Wünscht man sich eine App-Steuerung mittels Smartphone, sollte natürlich schon vor dem Kauf in Erfahrung gebracht werden, ob die entsprechende App sowohl für iOS-Smartphones (z.B. Apple iPhone) oder Android-Smartphones (z.B. Samsung Galaxy S7) angeboten wird. Achtung ist zudem bei der alternativen Konfiguration mittels Taster geboten: Von Vorteil ist immer der Rückgriff auf originale Lenkradtasten, während einige Anbieter einen externen Schalter mitliefern, der erst in die serienmäßigen Armaturen eingebaut werden muss. Nicht unbedingt vorteilhaft ist auch die Konfiguration mittels kabelgebundener Fernbedienung. Hier liegt der Teufel im Detail, weshalb man sich vor der Nachrüstung eines solchen Systems unbedingt über Montagemöglichkeiten, Konfigurationsmöglichkeiten sowie Lieferumfang und Zubehör informieren sollte. Auch klangtechnisch können sich die Systeme stark voneinander unterscheiden: Während die meisten Tuner auf Steuergeräte mit V8-Sounderzeugung setzen, gibt es auch Steuergeräte mit moduliertem V10- oder V12-Sound. Hier entscheidet – wie so oft – der Geschmack und eine ausgiebige Hörprobe, die beim Anbieter in jedem Fall möglich sein sollte.

 

Fazit: Was denkst du vom Active Sound-System? Eine zukunftsweisende Technologie oder doch nur ein moderner Trend, der schon bald verfliegen wird? Wir finden: Für Dieselfahrer und Fahrer kleinerer Drei- oder Vierzylinder-Motoren eine optimale Möglichkeit, um in den Genuss von sattem V8-Sound zu kommen – auch ohne Sportauspuffanlage oder illegale Modifikationen am Abgasstrang.

Fotos: insidePerformance.de Beitragsbild: © Depositphotos.com | yekophotostudio

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