Die Mentalität und Verbundenheit zum Thema Autotuning ist nicht selten eine wahre Leidenschaft. Doch die Liebe zu ein und demselben Fahrzeug hält nicht zwingend ewig, manch einer wagt sogar einen Seitensprung oder besitzt neben dem „Daily“ noch eine Affäre für das Wochenende (z.B. für den Nürburgring). In dem Zusammenhang stellen sich gerade viele Besitzer eines Showcars irgendwann die Frage, ob man sich von seinem Schmuckstück nicht doch einmal trennen sollte. Dabei wird der Besitzer mittelfristig erfahren, dass die Energie, das Geld und die Leidenschaft, welche er in sein Fahrzeug gesteckt hat, von kaum jemandem vollumfänglich wertgeschätzt und gar entlohnt wird. Warum das so ist und welche Szenarien in Eurem Falle auftreten können, zeigt dieser Artikel – mit dem Ziel, etwas Licht ins Dunkle des Showcar-Verkaufs zu bringen.

Viel Zeit und Energie fließen in das eigene Showcar.

Viel Zeit und Energie fließen in das eigene Showcar. © Pan / pixelio.de

Showcar & Tuning: Eine Leidenschaft, die Leiden schafft

Wer sich dem Thema Tuning in Form von Hobby oder gar Leidenschaft hingibt, legt bekanntlich großen Wert auf die Perfektion seines sportiven Schmuckstücks oder Showcars. Manchmal ist das aber auch eine Leidenschaft, die Leiden schafft. Diese Erkenntnis erreicht man spätestens dann, wenn man beim Umbau in der Garage auf die ersten technischen Herausforderungen stößt. Für eine adäquate Lösung ist nicht selten viel Kreativität gefragt, häufig ist sie zudem mit hohen Kosten verbunden. Glücklicherweise ist diese Tatsache meist noch der angenehmere Teil des Hobbys, man ist schließlich gerne bereit im Sinne eines guten Erfolgs etwas mehr Geld als vorgesehen zu investieren.

Auch von innen lässt sich ein normales Auto zum Showcar umfunktionieren.

Auch von innen lässt sich ein normales Auto zum Showcar umfunktionieren. © Davis Schrapel / pixelio.de

Für ein kostspieliges Hobby ist der Weg ja bekanntlich das Ziel, da schaut man am Samstag Nachmittag auch nicht zu sehr auf die Uhr. Hat man all diese Hürden aber erst einmal genommen, erntet man schließlich die Früchte der eigenen Arbeit und darf sich seines gelungenen Ergebnisses freuen. Man hat ein Fahrzeug in der Garage stehen, welches zu hundert Prozent der eigenen Vorstellung entspricht und zugleich Ausdruck der eigenen Persönlichkeit ist. An diesem Punkt sollte man so lange wie möglich festhalten und ihn genießen, zumindest bis eine nächste Änderung sich anmeldet. Denn der Weg eines Showcars führt normalerweise in eine der nachfolgenden Richtungen, manchmal leider unaufhaltsam.

Szenario 1: Das Showcar bleibt bis zum bitteren Ende

Ok, das „bittere Ende“ klingt vielleicht etwas überspitzt, aber viele Tuning-Fahrzeuge und Showcars werden ja gar nicht dazu gebaut, um später wieder verkauft zu werden. Speziell bei Youngtimern planen die Besitzer meist gar keinen Verkauf ihres Fahrzeug mit ein, sondern betrachten dieses eher als Lebensaufgabe. Häufig schlummern diese Fahrzeuge auch mehrere Jahre unbewegt in einer Garage, um dann irgendwann wieder auf die Straße geholt zu werden. Dadurch hat man jahrelang Freude an seinem Hobby und kann, so der Traum vieler Tuner, das Auto sogar irgendwann mal seinen Kindern vererben.

Auch Young- und Oldtimer leben gerne nochmals auf. © Rike / pixelio.de

Auch Young- und Oldtimer leben gerne nochmals auf. © Rike / pixelio.de

Sofern es die finanzielle Situation zulässt, ist dies mit Sicherheit das Beste, was einem getunten Fahrzeug widerfahren kann. Man holt damit den größtmöglichen persönlichen Nutzten aus dem Showcar und verbucht alle Investitionen als Kosten für das Hobby. Ein bitterer Beigeschmack des Zeitgeschehens kann sich allerdings noch bemerkbar machen: Was, wenn der Tuningtrend längst seine Segel neu gesetzt hat und das eigene Exemplar keinem Treffen in der Tuningszene mehr standhält? Manch einer mag darüberstehen, schließlich lassen sich private Projekte bequem dem Individualismus zuschreiben. Dennoch zeigen viele Ihre Gefährte ebenso gerne in der Öffentlichkeit – und die hat nun mal ihre Erwartungshaltung, die oftmals unter Einfluss von Medien und angesagten Tuningtrends steht.

Szenario 2: Jemand aus der Szene weiß den Wert eines Umbaus zu schätzen

Man hört immer wieder davon, dass getunte Fahrzeuge zu hohen Preisen verkauft werden. Sicher, in seltenen Fällen mag dies klappen. Man sollte sich aber nichts vormachen, dies ist und bleibt die Ausnahme. Ein Fahrzeugumbau ist meist sehr individuell auf den eigenen Geschmack zugeschnitten. Selbst wenn man jemanden findet, der genau den gleichen Geschmack hat, wird es schwierig einen nach dem eigenen Empfinden guten Preis zu erzielen.

Umbauten sind stets viel mit handwerklicher Arbeit, Geduld und finanziellem Aufwand verbunden. Wenn man sich einen tiefgreifenden Umbau zutraut, selbst aber vielleicht gar kein Fachmann ist, dann stellt ein Interessent sehr schnell die Qualität der Arbeit in Frage. Die wenigsten Kaufinteressenten trauen einem Fahrzeug, welches von einem Koch oder Bankkaufmann umgebaut wurde. Sicherlich gibt es Ausnahmen, aber meist ist man beruhigter wenn ein Fachmann, eine Fachwerkstatt oder zumindest ein KFZ-Gelehrter am Werk war.

Nach wie vor ein beliebtes Tuningobjekt: Der VW Golf 4. © BorstiStumpf / pixelio.de

Nach wie vor ein beliebtes Tuningobjekt: Der VW Golf 4. © BorstiStumpf / pixelio.de

Hin und wieder gibt es aber auch Fälle, in denen ein Showcar innerhalb der Tuningszene den Besitzer wechselt. Daher gilt es wohl jedem die Daumen zu drücken, der den Verkauf seines Showcars anstrebt, einen entsprechenden Liebhaber zu finden, der die eigene Arbeit entsprechend wertschätzt.

Szenario 3: Man gibt das Fahrzeug bei einem Händler in Zahlung

Warum denn so kompliziert, wenn es auch einfacher geht? Wer sein eigenes Gefährt möglichst schnell und unkompliziert an den Mann oder die Frau bringen will, kommt um gewerbliche Händler oder Autohäuser meist nicht herum. Zwar stellt sich zu Beginn die Frage nach dem zu erzielenden Preis, der aufgrund der Händlerprovision entsprechend geringer ausfällt als beim Verkauf von privat, doch der zeitliche Aufwand und das bürokratische Drumherum (Fahrzeugabmeldung, Inserieren, Terminvereinbarungen von Probefahrten etc.) bleibt einem erspart. Zudem gibt es mittlerweile zahlreiche Online-Präsenzen, auf denen eine Bewertung des Fahrzeugs mit anschließendem Angebot zum Ankauf in wenigen Minuten per Mausklick erfolgt.

Abwicklung leicht gemacht: Am besten über den Händler oder das Autohaus. © Claudia Hautumm / pixelio.de

Abwicklung leicht gemacht: Am besten über den Händler oder das Autohaus. © Claudia Hautumm / pixelio.de

Die Sache gestaltet sich jedoch etwas schwieriger, wenn es denn um ausgefallene oder individualisierte Showcars und Tuningfahrzeuge geht. Die Vorstellungen eines PKW-Händlers weichen hierbei meist zu sehr von den Gegebenheiten eines Privatumbaus ab, als dass der Ankauf ohne weitere Nachwehen über die Bühne gehen könnte. Ein zentrales Problem aus Sicht von Händlern liegt in der sogenannten Sachmängelhaftung (umgangssprachlich auch häufig Gewährleistung genannt), die ihnen bei einem Weiter- bzw. Wiederverkauf eines getunten Gefährts obliegt. Wenn Umbauten und sonstige Eingriffe am besagten Fahrzeug nicht fachmännisch, sondern auch nach eigenem Gusto des Vorbesitzers erfolgt sind, gestaltet sich die Haftung hinsichtlich Sicherheit und Qualität dafür oftmals schwierig, was den Wiederverkauf als Händler angeht. Obendrein stellt sich der vom Vorbesitzer gern veranschlagte Aufpreis für die langwierigen Umbauten gerne mal als Trugschluss heraus, weil der Händler darin eher einen finanziellen Aufwand zur „Abrüstung“ sieht, um dem Fahrzeug den für die breite Masse interessanten „gebotenen Standard“ zurückzugeben.

Szenario 4: Man verkauft das Fahrzeug „privat“

Hin und wieder findet man solche Showcars auch auf den einschlägigen Fahrzeugbörsen oder gar bei eBay. Oftmals ist dabei festzustellen, dass der Besitzer zunächst einen recht hohen Preis für sein Gefährt veranschlagt, da er die Umbaukosten zum eigentlichen Fahrzeugwert addiert. Im Laufe der Zeit entwickelt sich der Preis dann meist sehr stark nach unten und liegt schließlich sogar oft unter dem üblichen Marktwert von gleichwertigen Serienfahrzeugen. Natürlich gibt es auch hart gesottene Verkäufer, die am Preis festhalten und ihre Tuningfahrzeuge jahrelang mit dem Hinweis „still 4 sale“ im Netz bewerben. Da dies auf Außenstehende gerne auch etwas befremdlich wirken kann, sollte man sich das Vorgehen für den Verkaufsprozess vorher gut überlegen. Wir empfehlen an dieser Stelle Szenario 1: Stellt das Fahrzeug in eine Garage, lasst es dort fünf bis zehn Jahre stehen und erfreut euch nach dieser Zeit wieder an eurem Schmuckstück.

Die große Preisfrage: Was ist mein Showcar noch wert? © Thorben Wengert / pixelio.de

Die große Preisfrage: Was ist mein Showcar noch wert? © Thorben Wengert / pixelio.de

Natürlich gibt es noch zahlreiche weitere Möglichkeiten und Szenarien, die man im Rahmen eines Showcar-Verkaufs in Betrachtet ziehen kann. Eine weitere Option wäre beispielsweise der einzelne Verkauf der nicht-serienmäßigen Teile des Fahrzeugs, was oftmals höhere Einnahmen abwirft als die Hoffnung auf eine Wertsteigerung des Komplettpakets. Zu bedenken ist allerdings der zeitliche Mehraufwand zur Demontage und natürlich zum eigenhändigen Verkaufen an sich.

Weitere Szenarien würden jedoch den Rahmen dieses Artikels sprengen, da wir Euch lediglich die grundlegenden Probleme beim Verkauf bzw. beim Werdegang eines getunten Fahrzeugs aufzeigen und die gängigsten Optionen nennen wollten. Idealerweise überlegt Ihr Euch schon vor Beginn eines Tuningprojektes, welches langfristige Ziel Ihr mit dem Fahrzeug verfolgt. Möchtet Ihr Euch mittelfristig wieder von Eurem Gefährt trennen, so solltet Ihr nur Veränderungen vornehmen, die jederzeit wieder rückrüstbar sind. In solch einem Fall kann man nämlich zumindest die Tuningteile einzeln wieder verkaufen – oder eben für das nächste Projekt einlagern.

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