Besonders in letzter Zeit stolpert man vermehrt über die Begriffe „Rocket Bunny“, „Rauh-Welt“ oder „Liberty Walk“. Wer mit diesen Begriffen auf die Schnelle nichts anfangen kann, für den gibt es hier die Erklärung.

Bei den drei oben genannten Begriffen handelt es sich schlicht und einfach um Hersteller japanischer Bodykits. Ihre Bekanntheit fußt größtenteils auf dem charakteristischen Stil, der in Übersee zurzeit Trend ist.  Es handelt sich hierbei um extreme Breitbauten durch die Verwendung sogenannter „bolt-on overfenders“. Frei Übersetzt heißt dies in etwa „angenietete Kotflügelaufsätze„. Und das ist auch schon der Kern der Sache.

Rocket Bunny Bild 1

Nahtlose Übergänge sind hier garnicht das Ziel. Die sichtbaren Nieten und Kanten sind sogar erwünscht.

Bolt-on wörtlich genommen

Das charakteristische Merkmal der „Rocket Bunny“, „Rauh-Welt“ oder „Liberty Walk“ Breitbauten ist es nämlich, das die zusätzlichen Teile einfach mit Nieten an der Karosserie befestigt werden. Im Gegensatz zu den klassischen Bodykits ist der grobe, aufgesetzte Look hier gewollt. Zumeist ist die eigentliche Gestaltung eher dezent und an das Ursprüngliche Fahrzeugdesign angelehnt, im Gegensatz zu vielen hierzulande verbreiteten Karosseriebausätzen.
In der Praxis wird jedoch häufig nicht die die Variante mit den Nieten verwendet sondern auch die Verschraubung der Body-Kits findet Anwendung. Dies hat den Vorteil, dass die Bauteile im Schadensfall (z.B. bei Drift-Fahrzeugen) leichter ausgetauscht werden können.

Platz für Tiefbettfelgen

Ganz besonders fallen in diesem Zusammenhang die Kotflügel auf. Diese ersetzen nämlich nicht die Originalteile, sondern werden einfach auf diese aufgesetzt und festgenietet. Im Zuge dieser Maßnahme ist es nahezu immer nötig, die ursprüngliche Kotflügelkante zu entfernen um den Reifen genügend Platz zu bieten.

Diese sind extrem Breit, besitzen eine sehr niedrige, meist negative Einpresstiefe und viel Tiefbett. Felgenbreiten von bis zu 12″ sind keine Seltenheit. Oftmals wird das Fahrzeug in Kombination mit dem Breitbau extrem tiefer gelegt und in bester Stance-Manier mit gutem Fitment dank viel Sturz gefahren.

Weitere Markenzeichenzeichen

Charakteristische Bestandteile solcher Bodykits sind immer aufgesetze Kotflügel, in Kombination mit geänderten Front- bzw. Heckschürzen, um einen Flüssigen Übergang zu erzielen. Oft werden auch weitere Komponenten wie aufgenietete Kofferraumspoiler oder Seitenschweller in das Bodykit integriert.

Rocket Bunny Bild 2

Dieser Porsche zeigt alle beschriebenen Merkmale.

Vorläufer des Trends

Auch wenn der Trend erst die letzten Jahre aufgekommen ist, lassen sich die Wurzeln doch viel weiter zurückverfolgen. Eine offensichtliche Inspiration für Breitbauten aller Art stellen seit jeher Rennfahrzeuge dar. Doch auch die charakteristische Montage der „Rocket Bunny„, „Rauh-Welt“ oder „Liberty Walk“ Bodykits ist keine Neuerfindung. Bereits früher wurden in Japan beim sogenannten „Work“-Stil Kotflügelverbreiterungen per Nieten an den Wagen befestigt. So gesehen ist diese Entwicklung also nichts neues, sondern existierte in den Ansätzen schon vor den berühmt berüchtigten „Goldketten-Breitbauten“, die vor einer Dekade in der Bundesrepublik so populär waren.

Was bedeutet Rocket Bunny, Rauh-Welt und Liberty Walk?
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Datum der Erstveröffentlichung: 23.01.2014

2 Antworten

  1. Christoph Bettag

    Leider ist der Artikel nicht völlig korrekt, die Anbaukits werden nicht angenietet, sondern verschraubt. Sie fest zu vernieten wäre dumm, da es den Vorteil das Kit für Reparatur oder Pflege abzunehmen erschweren würde. Die Kotflügel müssen frei geschnitten werden, wobei oft mehr als nur die Kante entfernt werden muss um genügend Raum für die ausladenden Reifen zu schaffen. Danach muss meist die Karosserie neu verschweißt werden um die tragende Funktion und Festigkeit der Karosserie wieder herzustellen. Es sollte auch Wert gelegt werden auf Rostvorsorge. Bei der Montage der Verbreiterungen haben Bauschaum und Zweikomponentenkleber nichts zu suchen, Innenkotflügel sind bei dieser Art der Montage unnötig. Die für kleines Geld angebotenen Fake kits sollte man tunlichst meiden, man erspart sich vor allem Qualität, da die billigen Fiberglas-Kopien aus GB und PL innerhalb kurzer Zeit verspröden und dann wegbrechen. Das ist eher was für Driftfahrzeuge, die aus ein paar Metern nett aussehen sollen. Die teuren Markenprodukte aus Japan dagegen bestehen nicht aus GRP sondern aus FRP, einem Materialmix bei dem eine Nylonkomponente ins Harz eingemischt wird, was den Karosserieteilen mehr Flexibilität erlaubt. Daher lassen sie sich der Karosseriebiegung anformen und entwickeln durch diese Spannung eine große Festigkeit, die mit GRP – und leider auch Karbon nicht zu erreichen ist. Könner können die Karosserieanbauteile nahtlos anpassen.

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    • Arnold Kleitsch

      Vielen Dank für Deinen Kommentar. Wir haben den Artikel im den Hinweis ergänzt, dass die Bauteile in der Praxis nicht immer nur vernietet sondern auch verschraubt werden.

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