Ob es sie jemals geben wird und falls ja, wann die Einführung erfolgen kann, steht bislang noch in den Sternen. Es geht um eine Ausweitung bzw. Verschärfung der ökologischen Auflagen für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor: Die blaue Feinstaub- oder Umweltplakette. Bereits seit einigen Jahren haben zahlreiche Kommunen in Deutschland ihre Stadtgebiete zu Umweltzonen erklärt, die nur mit einer entsprechenden Umweltplakette befahren werden dürfen. Vorrangig ging es hierbei aber um die Belastung durch Ruß- und Feinstaubpartikel, die maßgeblich durch Emissionen von Dieselmotoren verursacht wurden und die es zu begrenzen galt. Einigen Umweltschutzverbänden geht die bisherige Regelung aber noch nicht weit genug.

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Ursprünglich waren es mit roter, gelber und grüner drei Plaketten. Nun soll noch eine blaue Umweltplakette hinzukommen. // © Thomas Max Müller / pixelio.de

Die blaue Umweltplakette soll es richten

Die Debatte um den Schutz vor schädlichen Autoabgasen geht in eine neue Runde: Nach der Einführung der dreistufigen Umweltplakette, die es bereits in roter, gelber und grüner Ausführung gibt, könnte demnächst eine vierte Dimension hinzukommen. Nebst BUND (Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland) und NABU (Naturschutzbund) machte sich zuletzt auch die DUH (Deutsche Umwelthilfe) für eine Ausweitung und Intensivierung der Umweltzonen stark. Dabei geht es ihnen nicht mehr nur um eine Reduzierung der Feinstaubbelastung, wie sie meist von älteren Dieselfahrzeugen ohne Rußpartikelfilter ausgeht. Vielmehr konzentriert man sich in der Diskussion um eine mögliche blaue Umweltplakette auf die Eingrenzung der Stickstoffoxide.

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Die blaue Umweltplakette soll besonders in Innenstädten für eine saubere Luft sorgen. // © Paul-Georg Meister / pixelio.de

Nach Ausführungen der Verbände, geht mit dem Ausstoß der Stickoxide (kurz: als NO2 bezeichnet) ebenfalls eine Gefahr für Umwelt und Gesundheit der Stadtbewohner einher. Für den einen mag die Anfechtung der bisher etablierten Plakettenriege überzogen klingen, andererseits lässt sich jedoch ein zentrales Argument nicht aus der Welt räumen: Der Trend zum höheren Verkehrsaufkommen in Stadtgebieten nimmt bislang noch keine Wende. Zudem ziehen Menschen vermehrt in Städte, die zuvor in ländlichen Gebieten wohnten – damit gewinnt die Belastung durch Schadstoffe von Fahrzeugen abermals an Bedeutung, ganz einfach weil sie eine größere Anzahl an Personen involviert. Sollte die blaue Umweltplakette allerdings wirklich in naher Zukunft eingeführt werden, dürfte auf viele Autofahrer eine kostspielige Nachrüstung ihres Gefährts zukommen – vorausgesetzt sie fahren nicht ohnehin schon mit EURO 6-Standard.

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© Thomas Max Müller / pixelio.de

Dieselmotoren im Fokus der blauen Umweltplakette

Maßgeblich wird es aber auch hier wieder die Dieselaner unter den Autofahrern treffen. Sie sind nämlich nicht nur für die zuvor so sehr angeprangerte Feinstaubbelastung verantwortlich, sie tragen zudem auch im größeren Maße zum Ausstoß der Stickstoffoxide (NO2) bei. Das liegt gewissermaßen in der Natur des Dieselkraftstoffes, dessen dichte Kohlenstoff-Verkettung bei einer Verbrennung zwangsläufig zur entsprechenden Emission führt und nicht selten auch Atemwegsprobleme beim Menschen verursachen kann.

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Durch zäh fließenden Verkehr kommt es nicht selten zu höherer Schadstoffbelastung. // © Rainer Sturm / pixelio.de

Den Ausführungen der DUH zufolge, sollen Benzinmotoren nur geringfügig durch die neue Umweltplakette belastet werden. Die Aggregate mit Direkteinspritzung sollen aufgrund der ähnlich feinen Partikelemissionen erst mit dem ab 2017 verpflichtenden Euro 6b-Standard eine blaue Plakette erhalten, solche mit Einspritzverteilung dürfen bereits ab der Euro 3-Norm mit neuem Siegel unterwegs sein. Selbiges gilt auch für gasbetriebene Motoren sowie Elektrofahrzeuge ohne zusätzlichen Verbrennungsmotor, wobei letztere bislang keiner Norm entsprechen müssen. Selbstzünder hingegen werden erst dann mit einer blauen Umweltplakette versehen, sofern sie über eine Kfz-Zulassung mit der aktuellen Euro 6-Norm verfügen. Diese gibt nämlich vor, dass die Fahrzeuge mit einem SCR-Katalysator (für eine selektive katalytische Reduktion der NO2-Anteile) ausgerüstet sein müssen.

Vor allem in Großstädten stellt der Gang zur KFZ-Zulassungsstelle für viele Fahrer eine Hürde dar. Die gängigen Öffnungszeiten liegen für viele Arbeitnehmer häufig sehr ungünstig, so dass in manchen Fällen sogar ein Urlaubstag nötig ist. Ein viel größeres Problem ist dies laut diversen Medienberichten in Berlin. Dort muss man mit Wartezeiten von über einem Monat rechnen um einen freien Termin zu ergattern. Dies hat zu einem regelrechten Schwarzmarkt mit den Terminen geführt. Motor-Talk hat vor einiger Zeit über dieses Thema berichtet. Die Situation hat sich unter den Autofahrern bereits herumgesprochen, so dass nach Alternativen gesucht wird, bis der Personalengpass in Berlin überwunden ist. Häufig sieht die Lösung so für die beiden genannten Probleme so aus, dass man nicht selbst beim Amt erscheint sondern jemand aus dem Bekanntenkreis um Mithilfe bittet. Dabei sind einige Punkte zu beachten. Welche dies sind, und welche Informationen zur Erstellung einer Vollmacht relevant sind, sollte man sich im Vorfeld genau anschauen.

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© andi-h / pixelio.de

Eine Nachrüstoption dürfte es, soweit die blaue Umweltplakette denn zur Einführung kommt, für alle betroffenen Fahrzeugmotoren geben: Sowohl für Dieselaggregate in PKWs und leichten Nutzfahrzeugen wie auch für Benzindirekteinspritzer mit niedrigerer Normerfüllung. Für die Automobilindustrie wird sich durch die Pflicht zur Aufrüstung zudem ein lohnendes Investment auftun – unabhängig davon, ob die Fahrzeughalter direkt dafür bezahlen oder eine Subvention durch den Staat bereitgestellt wird. Weniger eindeutig ist bisweilen aber: Kommt die blaue Umweltplakette wirklich? Und falls dem so ist, wann soll dies geschehen? Gefordert wurde sie bereits 2013, von einer Einführung in diesem Jahr war damals bereits die Rede. Belastbare Schlüsse sind daraus aber bislang nicht zu ziehen.

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