Wenn man auf der SEMA unterwegs ist, wird man ja bekanntlich mit unfassbaren Fahrzeugen geradezu überschwemmt. Dass Willy Izaguirre mit seinem BMW 3.0 CSL da noch heraus sticht, spricht Bände über das Ungetüm, dass wir euch in diesem Artikel vorstellen möchten…

Während die meisten Leser dieser Zeilen Anfang November 2017 das kaltnasse Wetter in Good Old Germany „genießen“ durften, war ich mit meinem Kumpel Sven Schulz in der Wüste Nevadas unterwegs. Als Gäste des Autopflegemittelherstellers SONAX machten wir Aufnahmen für eine Reportage zur SEMA Show 2017 in Las Vegas. Ich muss wohl nicht groß erklären, dass wir mit dieser Aufgabe ziemlich ausgelastet waren. Als wir auf dem „Toyo Tire Treadpass“, der großen Brücke zwischen South und Central Hall jedoch plötzlich vor einem ultrabreiten BMW 3.0 CSL standen, war es Zeit für eine „Mittagspause“.

Autos vom Schlage dieses 1973er BMW E9 lassen einfach nur Superlative zu. Sven und ich waren völlig begeistert. Dass der Wagen in unser Video musste, war klar. Doch irgendwie hatte ich das starke Bedürfnis, dem Wagen noch mehr Anerkennung zukommen zu lassen.

Die Geschichte des BMW CSL 3.0

Der BMW E9 ging als Coupé-Variante des E3 an den Start und wurde zwischen 1968 und 1975 über 30.000 mal gebaut. Ab 1971 wurde die Modellpalette durch den 3.0 CLS ergänzt. Es handelte sich um ein Homologationsmodell für den Tourenwagensport, das in Zusammenarbeit mit Alpina realisiert wurde. „CSL“ steht für „Coupé Sport Leichtbau“, da die ersten Fahrzeuge der Serie die im Vergleich zum 3.0 CS bessere Performance lediglich durch umfassende Leichtbau-Maßnahmen erreichten.

Ab 1973 bis zum Produktionsende des BMW E3 ging die dritte und letzte Ausbaustufe vom Band, die aufgrund ihres nicht gerade dezenten Aerodynamikpakets den Spitznamen „Batmobil“ erhielt. Willys Wagen stammt aus dieser Phase. Und wenn man seinen 1973er BMW 3.0 CSL live betrachtet, ist die Bezeichnung „Batmobil“ nicht genug. Bei diesem Ungetüm handelt es sich eher um die Mutter aller Batmobile…

Der 3.0 CSL war der erste „M“-BMW.

Auf der SEMA mangelt es ja bekanntlich nicht an Gesprächspartnern. Kontaktfreudiger geht es auf kaum einer Veranstaltung zu. Während wir den Über-Bimmer bestaunten, dauerte es deshalb nicht lange, bis wir angesprochen wurden. Ein Kumpel von Besitzer Willy versorgte uns mit ein paar Hard Facts und schon kam der Erbauer höchstpersönlich um die Ecke.

Willy war auf der SEMA ein gefragter Mann. Nicht nur für uns war sein BMW 3.0 CSL eines der absoluten Highlights. Medienvertreter rissen sich förmlich um das Breitbau-Monster. Aber als Bewunderer aus dem Heimatland des Fahrzeugs gehörten wir glücklicherweise zu Kreise der „Auserwählten“.

BMW 3.0 CSL Frontansicht

Als erstes fragte ich Willy, ob ihm klar wäre, dass ihn viele Leute in Deutschland (und nicht nur dort) sicher gerne erwürgen würden, weil er einen absoluten Klassiker „zerstört“ hat. Daraufhin verriet er mir lachend, dass es sich beim Basisfahrzeug für sein Projekt keineswegs um ein Museumsmodell gehandelt hatte.

Er erstand den CSL von einem Freund, der aufgrund massiver Rostschäden das Handtuch warf und Willy empfahl, nicht schneller als 50 Meilen in der Stunde mit der Legende zu fahren. In der Bodengruppe waren so große Löcher, dass man den Asphalt vorbei rasen sah. Alle „Altblech“-Hardliner können also aufatmen: Das Basisfahrzeug war ein „hoffnungsloser Fall“. Bis Willy kam…

BMW 3.0 CSL Seitenansicht

Und dass sein Umbau polarisieren würde, war ihm völlig bewusst. Dass der BMW schließlich eines der absoluten Highlights der SEMA 2017 war, überraschte den bescheidenen Mann aus dem US-Bundesstaat New York total. Er hätte es wissen müssen…

Krasses Tiefbett beim BMW 3.0 CSL

Für Willy gab es nur ein Rad, das für seinen Brachial-CSL in Frage kam: BBS Magnesiumräder mit Zentralverschluss. Um die gewünschten Dimensionen zu erreichen, suchte er sich die Teile einzeln zusammen. Endergebnis: 10,5×17 Zoll an der Vorderachse und unfassbare 15,5×17 Zoll an der wahnsinnig breiten Hinterachse. Mehr geht einfach nicht!

Ja, ihr seht richtig. Willys Schaltknauf besteht unter anderem aus geschreddertem Geld. Da das Zerstören von Banknoten in den USA illegal ist, bezog er das teure „Konfetti“ direkt vom US-Finanzminsterium.

Zerschredderte Dollarscheine passen Willys Meinung nach thematisch sehr gut zu seinem CSL, gab er lachend zu Protokoll. Es handelt sich bei dem außergewöhnlichen Schaltknauf um eine Eigenanfertigung, schließlich hat sich Willy unter dem Firmennamen „Nostalgic Grains“ dabei bereits einen Namen gemacht.

Kennern ist es wohl direkt aufgefallen: Das ist kein BMW CSL 3.0-Triebwerk. Es handelt sich um einen auf dem M52 aufbauenden S52-Sportmotor aus der US-Version des BMW E36 M3. Mit 3,2 Litern Hubraum, einem Precision 6266 Turboader und einigen weiteren Modifikationen leistet der Motor rund 500 PS. Absolut standesgemäß für die Mutter aller Batmobile…

Da stellt sich natürlich die Frage: Was für ein Projekt heckt der wahnsinnige Willy als nächstes aus? Ich darf so viel verraten: Es wird unfassbar! Man darf auf die SEMA Show 2018 gespannt sein…

BMW 3.0 CSL: Die Mutter aller Batmobile
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