Getestet: Skoda Octavia III RS Limousine mit 220 PS

Als tschechische VW-Tochter kann sich der Autohersteller Skoda keineswegs beklagen. Darf er sich doch sowohl technisch wie auch innovativ bei der Mutter bedienen und seine technisch gleichwertigen Fabrikate zu deutlich kleineren Preisen auf den Markt bringen. So geschehen auch beim aktuellen Skoda Octavia III RS, welcher dem Golf 7 GTI in keinster Weise nachsteht – von der fehlenden Hothatch-Bauweise einmal abgesehen…

Starkes Aggregat mit moderatem Verbrauch

Unter der Spitzenmodell-Bezeichnung “RS” werden beim neuen Skoda Octavia auch weiterhin beide Antriebe geführt: Ein Benziner wie auch der Selbstzünder sind bei der mittlerweile dritten Generation des Tschechen nach wie vor verfügbar. Wer es lieber betont sportlich und kernig in der Akustik mag, greift bekanntermaßen zum TSI-Triebwerk, das neuerdings bis zu 220 PS sowie 350 Nm max. Drehmoment (zwischen 1.500 und 4.400 Touren) auf die Vorderachse liefert. Damit sprinten Octavia RS Limousine bzw. Combi in 6,8 bzw. 6,9 Sekunden auf Tempo 100, der Topspeed steht bei ansehnlichen 248 Km/h (Combi: 242 Km/h). Die manuelle 6-Gang-Schaltung ist serienmäßig im Skoda Octavia RS und zugleich die bessere Wahl für Sprintbegeisterte. Für den Komfortzuwachs gibt es ebenfalls ein 6-stufiges-Doppelkupplungsgetriebe, jedoch mit leicht verzögertem Beschleunigungsverhalten.

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Auch wenn es nicht so aussieht, technisch entspricht der Skoda Octavia III RS (auch als Kombi) größtenteils dem Golf 7 GTI.

Die ebenbürtige Langstrecken-Version mit überholtem 2.0-TDI-Herzstück liefert im Skoda Octavia RS alternativ geschmeidige 184 PS sowie 380 Nm an Drehmoment (letzteres bereits ab 1.750 U/Min). Hier wird in 8,1 Sekunden (Combi: 8,2) die Marke von 100 Km/h erreicht, der Verbrauch soll bei manueller Schaltung mit 4,6 Litern Diesel nochmals geringer ausfallen als bei der Vorgänger-Generation. Der Topspeed sowie auch der Sprint hinken mit dem ebenso verfügbaren komfortableren DSG-Getriebe leider auch bei der Dieselversion des Skoda Octavia RS dezent hinterher (0-100 Km/h: 8,2-8,3 Sekunden / Topspeed: 228 Km/h).

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Agiler Wegbegleiter für Stadt und Land

Auf unserer Testfahrt dürfen wir den Skoda Octavia RS samt Handschaltung und dem spritzigeren 2.0-TSI-Motor durch urbane, ländliche und temporeiche Zonen begleiten. Ein dezenter Druck auf den Start-Stopp-Knopf am Lenkrad und sein Reihenvierzylinder lässt erste kernige Töne verlauten. Sowohl Druck- wie auch Schleifpunkt der Kupplung wirken angenehm aber straff. Das Losfahren aus dem Stand klappt ebenso zügig und geschmeidig wie der manuelle Wechsel der sechs Gänge. Wenn auch die technischen Angaben mit 220 Pferden und dem frühzeitig verfügbaren Drehmoment dazu verleiten, die ersten Gänge weiter auszunutzen, so kann der neue Skoda Octavia RS auch seine gemütliche Seite zeigen. Niedrige Drehzahlen und Mitschwimmen im zäh fließenden Berufsverkehr steckt der Tscheche offensichtlich ebenso gut weg wie den Sprint auf der Schnellstraße. Die Geräuschkulisse des Octavias klingt mit gleichbleibendem Tempo satt aber genügsam.

Gelangweilt von Schleichern zwischen Grünflächen und Ampeln, arbeiten wir uns aus der urbanen Zone vor zu offeneren Gefilden. Bereits der erste Zubringer zur Landstraße im Leipziger Raum attestiert dem Skoda Octavia RS bisweilen verdeckte Raffinesse: Seine Spurlage und Lenkpräzision sind definitiv nicht von schlechten Eltern, selbst die Wankbewegungen bei einer sportlichen Kurvengeschwindigkeit stecken die Federn des Tschechen ohne zu mucken weg. Das serienmäßige Sportfahrwerk senkt den Skoda Octavia RS dabei um 15 Millimeter ab gegenüber dem Basismodell und sorgt somit für eine straffe und stabile Haltung. Das ESC (elektronische Stabilitätskontrolle) kommt beim RS inklusive einer XDS-Differenzialsperre für die Vorderräder zum Einsatz. Die Kombination kommt uns beim Herausbeschleunigen aus der kurvigen Zubringerspur zugute und beschert kontrollierten Fahrspaß.

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Der Skoda Octavia RS und seine Leichtigkeit

Eines erscheint uns beim Skoda Octavia RS seit Beginn verwunderlich: Das Leergewicht von etwa 1.425 Kg unseres Testobjektes stellt zwar nicht unbedingt ein Fliegengewicht dar, dennoch wirkt die RS-Version des Octavias leichtfüßiger denn je. Jegliche Vorwärtsbewegung (auch aus dem Stand) vollzieht sich gefühlter maßen lastfrei und spielerisch. Das wirkt sich natürlich auch positiv auf die Zwischensprints auf Landstraßen aus: Elastizität der Gänge, Spurstabilität und Antrittsstärke bilden besonders zwischen Tempo 80 und 140 eine nahezu perfekte Synergie. Selbst beim Herausfordern von höheren Drehzahlen können wir keinerlei Zerren an der Vorderachse vernehmen. Einen kleinen Nachteil bringt die Leichtfüßigkeit des Skoda Octavia RS allerdings auch mit: Mit stärkeren Windeinflüssen und zunehmendem Tempo wird die Karosserie des Tschechen unruhiger und die Fahrt etwas weniger komfortabel.

Der Komfort muss bei einem Sportgefährt wie dem Octavia RS kein allzu entscheidendes Merkmal sein, also ab zum Topspeed-Test auf die nächstgelegene Autobahn. Wir nehmen es gleich vorweg: Die nachmittägliche Rush-Hour rund um Leipzig bot wenig Spielraum für die sonst verlockenden und laut Skoda möglichen 248 Km/h. Den Spurt auf der Autobahn erledigt der Skoda Octavia RS dafür mit wachsender Begeisterung, dabei erscheint uns ein zügiges Einscheren auf die linke Spur auch gleich angemessen. Je höher der TSI-Motor und sein Abgasturbolader aufdrehen, umso mehr entfaltet sich eine kernige Akustik in unseren Ohren. Die ernüchternde Erkenntnis hierbei: Ein zusätzlicher Soundgenerator für den Innenraum vermittelt ebendieses Gefühl, einen aufbegehrenden V6 unter der Haube triezen zu dürfen.

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Dennoch unterstreicht auch dieser leicht künstliche Klang die Vortriebsmission vom Skoda Octavia RS, welcher ebenso jenseits von Tempo 120 seinen kraftvollen vierten Gang sportiv einzusetzen weiß. Bis etwa 180 Km/h nimmt der grundlegende Luftwiderstand nur unwesentlichen Einfluss auf die tschechische Sprintstärke, auch die Marke von Tempo 200 erreicht der Skoda Octavia RS nahezu spielerisch – was allerdings auch die magische Grenze für die Beschleunigung bedeutet. Wer dem Topspeed gerne näher rücken möchte, dem sei ein Wechsel aus dem Overdrive zurück in Gang Nummer 5 ans Herz gelegt.

Insgesamt bietet uns der Skoda Octavia RS (welcher als Diesel ebenfalls seinen Reiz hat) ein durchweg gelungenes und vor allem umfangreiches Konzept eines komfortablen Alltagsportlers. Sein Basispreis für die Limousine samt Handschaltung liegt bei knapp unter 30.000 Euro, es lohnt sich dabei auf eine höherwertige Lackierung sowie Multimedia-Pakete zu setzen. Grundsätzlich glänzt der Tscheche aber auch ohne weitere Optionen, was man bei vielen der Premiumhersteller kaum erwarten dürfte…

Fotos: Skoda Presse

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