Den meisten Tuning-Enthusiasten muss man den Begriff Gewindefahrwerk wohl kaum extra erklären. Doch keine Panik wenn ihr euch darunter nichts vorstellen könnt. AUTOTUNING.DE klärt auf, was es mit dem Gewindefahrwerk auf sich hat und was dessen Vor- und Nachteile sind.

Grob gesagt ist ein Gewindefahrwerk oder auch Schraubfahrwerk lediglich eine bestimmte Fahrwerks-Bauart. Der Name leitet sich dabei von dem verbauten Gewinde ab, mit welchem die Tieferlegung flexibel eingestellt werden kann. Allerdings kann diese, im Gegensatz zu Luftfahrwerken, nicht automatisch eingestellt werden, sondern muss per Hand in die gewünschte Höhe geschraubt werden.

Die variable Bodenfreiheit wird durch ein Gewinde erzielt, auf dem die Federauflage, bei diesem Fahrwerkstyp auch Gewindeteller genannt, montiert ist. Der Gewindeteller kann hoch oder herunter geschraubt und somit die gewünschte Tieferlegung eingestellt werden. Ab einem gewissen Verstellbereich kann es allerdings bei maximaler Tieferlegung zu mangelnder Vorspannung kommen, das heißt die Feder würde im ausgefederten Zustand herum wackeln. Um dem vorzubeugen, besitzen die meisten Gewindefahrwerke Vorspannfedern oder eine progressive Federkonstruktion.

Gewindefahrwerk

Verschiedene Bauarten von Gewindefahrwerken

Grob kann man zwei Realisierungen von Schraubfahrwerken unterscheiden: Bilden Federn und Dämpfer eine Einheit, etwa bei MacPherson-Fahrwerken, ist das Gewinde am Dämpferkörper eingedreht, an welchem der untere Federteller verstellt werden kann. Sind Feder und Dämpfer getrennt, wird unter der Feder ein Aufsatz mit Gewinde zur Verstellung der Höhe eingesetzt.

Neben der einstellbaren Tieferlegung gibt es Gewindefahrwerke auch mit weiteren Einstellungsmöglichkeiten: Neben der Härte können oftmals weiterhin Zug- oder Druckstufe vom Fahrer angepasst werden. Besonders im Motorsport, dem ursprünglichen Verwendungsbereich, und bei Performance-Boliden sind diese Gewindefahrwerke verbreitet, da sie eine optimale Anpassung an das Fahrzeug-Setup und die Strecke ermöglichen.

Gewindefahrwerke gibt es aus den unterschiedlichsten Werkstoffen. Verbreitet sind vor allem Versionen aus verzinktem Stahl oder Aluminium. Ebeso varieren die Materialien der Verstellteller je nach Anbieter (Aluminium oder Kunststoff). Alle kommen mit ihren eigenen Vor- sowie Nachteilen daher. Die Entscheidung, was am besten zu den eigenen Anforderungen passt, muss hier vom Besitzer individuell getroffen werden.

Ebenso sollte beachtet werden, dass bei Tieferlegungen von mehr als 10mm eine Achsvermessung durchgeführt werden sollte, um die Fahreigenschaften des Wagens nicht zu beeinträchtigen.

Gewindefahrwerk (3)

Feder und Dämpfer bilden keine Einheit

Vorteile von Gewindefahrwerken

Die Vorteile eines Gewindefahrwerks liegen klar auf der Hand: Dank der einstellbaren Bodenfreiheit kann der Wagen an die Straße oder den Geschmack des Besitzers angepasst werden. Ist das Fahrzeug ein Ganzjahreswagen, bietet sich eine höhere Gangart an. Daneben ermöglichen Schraubfahrwerke in der Regel eine größere Tieferlegung als gewöhnliche Sportfahrwerke, welche oftmals bauartbedingt nur bis 60mm gefertigt werden.

Ist keine TÜV-Eintragung notwendig, etwa im „Show und Shine“-Bereich, können die meisten Gewindefahrwerke einfach für extreme Tieferlegungen modifiziert werden. Durch Einstellen über den geprüften Verstellbereich hinaus sowie dem Weglassen der Vorspannfedern oder Gewindeteller sind Tieferlegungen im dreistelligen Millimeterbereich keine Seltenheit. Die Zulassung im Straßenverkehr erlischt dabei natürlich.

Gewindefahrwerk (2)

Verstellring am Dämpfer

Nachteile von Gewindefahrwerken

Gegen die Verwendung eines Schraubfahrwerks spricht zum einen der Preis. Vergleichbare Sportfahrwerke sind in den meisten Fällen wesentlich preiswerter. In Kombination mit Gewindefahrwerken werden sehr häufig auch Alufelgen montiert, die in der Regel breiter sind als die Serienfelgen. Aus diesem Grund ist es nicht selten erforderlich, auch Spurplatten zu montieren um für die notwendige Freigängigkeit zu sorgen. Dies kann wiederum dazu führen, dass die Freigängigkeit beim Kotflügel beeinträchtigt wird und dort durch Bördeln oder „ziehen“ für mehr Platz gesorgt werden muss.
Zuletzt ist die Änderung der Fahrhöhe auch jedes Mal mit Arbeit verbunden, da zur Einstellung des Fahrwerks die Räder demontiert werden müssen.

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