Camber ist in Ländern wie den USA und Japan absolut im Trend. Bei uns ist es noch immer eine stark polarisierende Randerscheinung, die stark diskutiert wird. Nach dem Genuss dieses Artikels wisst ihr genau Bescheid über den umstrittenen Tuningstil!

Kümmern wir uns zunächst um das Wort als solches. „Camber“ kommt aus dem Englischen und bedeutet „Sturz“, im Bezug auf Autos („Camber Angle“) eigentlich genauer übersetzt „Radsturz“. Der Begriff Sturz kommt aus der Fahrwerkstechnik und bezeichnet den Winkel zwischen Radmittelebene und einer (gedachten) senkrechten Linie in Richtung Asphalt. Ist die Oberseite des Rades nach außen geneigt, spricht man vom positiven Sturz, ist sie nach innen, also zum Fahrzeug hin geneigt, spricht man vom negativen Sturz. Beim „Camber“-Style findet man ausschließlich negativen Radsturz vor, oft mit einem extremen, fast grotesk aussehenden Winkel zur Karosserie.

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Dieser BMW E21 hat Style! Hier gehts zum Artikel.

Der eigentliche Sinn von negativem Sturz

Camber ist eigentlich keine Optik-Erfindung. Prinzipiell verlässt jeder PKW mit leicht negativem Radsturz das Herstellerwerk. Dadurch wird eine höhere maximale Seitenführungskraft bei Kurvenfahrten bewirkt. Bei notorischen „Rasern“ kann ein nachträglich noch weiter negativ verstellter Sturz zum Beispiel zu gleichmäßiger abgefahrenen Reifen führen. Bei kurvenreichen Fahrten mit extremen Geschwindigkeiten wird der Reifen mit den ab Werk vorgesehenen Sturzeinstellungen nämlich massiv einseitig belastet. Hätte ein Rad keinerlei Sturz, würde dies auch bei normaler Fahrweise auch zu Problemen führen, da ein Reifen bei Kurvenfahrten ja nicht „starr“ bleibt, sondern sich massiv verformt, während das Rad „aus der Kurve fliegen“ möchte.

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Im Motorsport ist über das Werk-Setup hinausgehender negativer Sturz an der Tagesordnung. Außerdem sorgen oftmals auch die Fahrwerksabstimmungen von stark motorisierten Serienfahrzeugen für negativeren Sturz. Camber ist also keine „neue Erfindung“. Genau genommen ist es nur der Begriff, der in Deutschland seit einiger Zeit neu zum Sprachgebrauch der Tuningszene gehört.

Technische Fakten zum Camber-Style

Negativer Sturz lässt sich bis zu einem gewissen Grad fahrwerksseitig erreichen. Aber bei krasseren Winkeln kommen auch spezielle Zubehörteile zum Einsatz. Durch den über die Motorsport-Verwendung hinausgehenden, extremen Negativsturz kommt es zu massiv verstärktem Verschleiß. Reifen fahren sich einseitig und extrem beschleunigt ab oder erleiden Beschädigungen und auch andere Achsteile werden ungewöhnlich stark belastet. Im normalen Straßenalltag kann das Fahrverhalten je nach Grad des negativem Sturzes stark beeinträchtigt sein. Dass der deutsche TÜV den Camber-Tuningstil ablehnt und ab einem gewissen Punkt die Stilllegung und/oder der Verlust des Versicherungsschutzes droht, muss an dieser Stelle wohl gar nicht extra erwähnt werden.

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BMW E36 haben an der Hinterachse „Von Haus aus“ schon einen recht negativen Sturz. Hier wurde wohl zusätzlich nachgeholfen.

Camber in der Tuningszene

Wer regelmäßig auf internationalen „Stance“-Portalen unterwegs ist, ist den Anblick von Fahrzeugen mit massivem Negativsturz gewohnt. Alleine schon die krasse Optik von Camber und der Fakt, dass durch den Negativsturz ein tieferes Eintauchen in die Radhäuser und damit ein coolerer Stancefaktor erreicht werden kann, sorgen für eine pulsierende Fangemeinde. In Ländern wie den USA und Japan ist Camber eine ganz normale Erscheinung und auch wenn man in unseren Nachbarländern wie Belgien oder Polen unterwegs ist, trifft man auf viele „gecamberte“ Fahrzeuge. Hierzulande hat es Camber schwer. Abgesehen von den Problemen mit dem TÜV, der Sicherheit, dem Fahrverhalten und dem Verschleiß wird auch die Optik stark diskutiert. Wann immer wir ein Fahrzeug mit ungewöhnlichem Sturz vorstellen, sind angeregte Diskussionen vorprogrammiert. Dabei scheinen die Kritiker immer stark in der Überzahl zu sein. Dennoch gibt es hierzulande eine feste Anhängerschaft des Tuningstils. Es gibt sogar Crews, deren Motto es ist, dem negativen Sturz zu frönen. Dennoch ist zu erwarten, dass Camber auf lange Sicht eine Randerscheinung bleiben wird. Es ist jedoch egal, welche Meinung man zu der ganzen Sache hat. Camber hilft (solange er andere Verkehrsteilnehmer nicht gefährdet) mit, die Szene abwechslungsreicher zu machen und das sollte doch im Sinne von uns allen sein.

Ein Eindruck aus Japan

Wie schon erwähnt ist Camber in Japan schon lange Trend und in der Szene keine ungewöhnliche Erscheinung. Hier haben wir ein kleines Video für euch, das den teilweise extremen  Camber Style in Japan zeigt. Schauts euch an und staunt.

Anmerkung der Redaktion: Wir möchten an dieser Stelle dringend davon abraten, diesen Stil bei Fahrzeugen umzusetzen, die im öffentlichen Straßenverkehr unterwegs sind.

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Den Artikel zur Oldschool S Klasse haben wir hier.

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